Field, John

Field, John

Field, John, John, einer von den wenigen großen Virtuosen und Componisten Englands, und wie Müller von ihm sagt: »ein singuläres Genie, bis gegen den Anstand ungenirt.« Geboren 1780 verdankte er seine musikalische Ausbildung Clementi, unter dessen Schülern er die erste Stelle einnimmt, und mit dem er auf Reisen ging. Seit 1802 lebte er abwechselnd in Moskau und Petersburg, wo er eine glänzende Anerkennung seines Talents fand, aber nichts desto weniger, durch eine ungeregelte Lebensweise oft in Verlegenheit war, und durch manche äußere Schroffheit abstieß. Schon im 14. Jahre componirte er eine Sonate; mit seinen vielfach nachgeahmten und nie erreichten Notturno's begründete er eine eigene Gattung. Außerdem erschienen von größern Compositionen für Pianoforte 6 Concerte, unter denen sich besonders das As- und Es-dur Concert auszeichnen. Sonst gab er noch 40 Rondo's, viele Variationen, Phantasieen, 3 Quintette, 6 vierhändige Sonaten, Romanzen, Gesänge und Tänze heraus. In diesen Werken ist es weniger auf Fingerfertigkeit, als auf das Ideal der reizendsten Melodie abgesehen. Seine Compositionen sind durchhaucht von tiefer poetischer Gluth und süßer, träumerischer Schwärmerei. Auf dem Pianoforte ist er wahrer Künstler; bei staunenswerther Fertigkeit, energischer Kraft, Gleichheit der Passagen, und tiefem Ausdruck, bliebe zuweilen nur ein höherer Grad von Feuer zu wünschen übrig. In der freien Phantasie ist er ein Meister, dem vielleicht kein jetzt lebender Virtuos zur Seite steht. Den vielfachen Aufforderungen seiner Freunde zu einer Kunstreise durch Europa genügte er erst in den letzten Jahren, wo er auch in Paris auftrat. Auf seinem Instrumente übt er sich täglich 2–3 Stunden. Seine Manier zu studiren ist eigenthümlich. Er setzt eine Schachtel mit hundert Zahlpfennigen auf das Fortepiano. Nachdem er eine schwierige Passage versucht hat, wirft er einen Zahlpfennig in eine andere leere Schachtel, und bis die erste leer und die zweite voll ist, fängt er immer dieselbe Stelle wieder an. Reicht dieß noch nicht hin, so füllt er die erste Schachtel von Neuem, und so immer fort, bis er zuweilen dieselbe Passage zwei- bis dreihundert Mal gespielt hat. Als sich Field gerade in Moskau aufhielt, besuchte ihn Hummel, sich für einen Kaufmann und musikalischen Dilettanten ausgebend, der bei dem großen Rufe von Field's Talent die Stadt nicht verlassen wollte, ohne ihn gehört zu haben. Field ließ sich erbitten, und improvisirte eine Caprice. Hummel dankte. und äußerte, daß er nie das Piano mit so viel Leichtigkeit und Präcision habe spielen hören. Field erwiederte: da Sie so großer Liebhaber sind, so müssen Sie doch wohl auch etwas spielen können!« Hummel setzte sich an das Instrument, und variirte das Thema, das Field so eben bearbeitet, weiter fort mit der seines Genies würdigen Inspiration und auf eine so überraschende Weise, daß Field erstaunt und entzückt dem Spieler um den Hals fiel und ausrief: »Sie sind Hummel! Niemand in der Welt als Hummel ist einer solchen Improvisation fähig.« Schumann, ein junger Componist, sagt von Field: »Dürft' ich, so würd' ich ihm einen Kranz aus Mohnblumen und Abendviolen aufsetzen, denn er ist der Geliebte der Dämmerungsstunde, wenn die Sonne hinuntergegangen und das ewige Heimweh der Seelen erwacht. Soll ich die, die ihn kennen, an die Stunden erinnern, wo sie noch länger hörten, als die Musik dauerte? Wollten sie etwas von diesen neuen Gedichten erfahren, soll ich wiederholen, was sie schon lange wissen, etwa das uralte Lied vom Herzen? Schlage nur eine Weltsaite an und sie schwingt unendlich fort. Die Minute muß entzückend sein, wo du dir bewußt wirst, daß du eine zuerst berührt, wo du etwas ganz dein eigen nennen kannst, dich als Erster fühlst in der neuen Schöpfung und dein Werk als erstes Geschöpf, das dich nun inbrünstig umarmt und deinen Namen trägt. So scheint es, als entschleiere nach und nach der Künstler das Bild der Natur für seine Kunst, im Kleinen als Tag, im Großen als Jahr, im Größten als Zeit und Ewigkeit. Der kräftige Morgen gehört Bach und Händel an. Was sich vor ihnen geregt, waren nur Frühstimmen, Morgenahnungen, und oft recht kalte. Da führten Mozart und Haydn den Tag heran und das helle lebendige Leben, das in der Sternennacht wiederum verstummte, die Beethoven und Franz Schubert eröffneten. Nun sind jenen Hohenpriestern noch Jüngere beigesellt. Field legt sein Opfer am Abend auf den Altar; was er spricht, versteht nicht Jeder; aber es stört Keiner den blassen Jüngling, da er betet. In später Stunde arbeitet noch Chopin, wie in einer Nordscheinverklärung, aber die Gespensterzeit spukt schon neben ihm, die Nachtraubvögel sind los und einzelne Abendfalter von früher her stürzen erkältet und ermattet nieder. – Wir wären am Ziel? Nein der geschlossene Tag mit seinen vier kleinen Zeiten wird im großen Umkreise nur einer des Frühlings sein, der wieder erst ein Theil des Jahres ist, und dann zählt die Geschichte der Künste nach Jahrhunderten, die wiederum in der Ewigkeit als Augenblicke auf- und niedergehen.«

E. O.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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